Die ganze Wahrheit über Smart Home

Intelligente Gebäudetechnik als Plug´n Play für Jedermann?


von: Oliver Blumberg | Quelle: Elektro-Installation | Eingestellt: 24.02.2016

Das Interesse an intelligenter Gebäudetechnik, sogenannten Smart Home-Systemen, wächst rasant. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstitutes Dr. Grieger in Zusammenarbeit mit dem SmartHome Initiative Deutschland e.V.  belegt, dass bereits 30 Prozent der befragten Haushalte Smart Home-Anwendungen nutzen, teilweise ohne es zu wissen. Kein Wunder, dass auch das diesjährige Motto der Leitmesse für Licht- und Gebäudetechnik 'light and building 2016' signalisiert: Der Massenmarkt ist für Smart Home-Lösungen bereit. Mit dem Slogan 'digital - individuell - vernetzt' sollen vom 13. bis zum 18. März wieder über 200.000 Besucher nach Frankfurt gelotst werden. 

Der Kampf um diese Marktpotentiale ist bereits in vollem Gange. Haben Sie beispielsweise schon einmal in einer Suchmaschine den Begriff 'Smart Home' eingegeben? Wenn ja, dann sind Sie bei Ihrer Online-Recherche möglicherweise direkt und ohne Umwege bei RWE, bei der Telekom oder auch beim Fritz!BoxX-Hersteller AVM gelandet. Der Bekanntheitsgrad dieser Akteure ist vor allem deshalb so erdrückend, weil sie in Richtung Endverbraucher direkt oder indirekt auf gigantische Werbebudgets zurückgreifen können. Auffällig ist auch, dass das elektrotechnische Fachhandwerk bei der jeweiligen Vermarktung der Lösungskonzepte keine nennenswerte Rolle spielt. Die Konsequenzen sind fatal! Denn letzten Endes führt dies bei weiten Teilen der Bevölkerung zu der Einschätzung, dass es dieses 'Smart Home irgendwie im Internet gibt' und, dass man die Funktionalitäten durch bloßes 'Zusammenstöpseln' von zwei oder drei Geräten realisieren kann. 

Doch diese Sichtweise hat nicht viel mit der Realität zu tun. Und zwar bei keinem einzigen Anbieter – auch nicht bei den Systemen von Telekom, RWE oder anderen Online-Giganten. Aber: Bei Weitem nicht jeder weiß davon – zumindest nicht vor der Kaufentscheidung.

Die Intelligenz einer umfassenden Smart Home-Lösung - oder technisch ausgedrückt Hausautomation – ergibt sich aus dem Zusammenspiel zahlreicher Anwendungsgebiete. Schwerpunkte sind Sicht-und Sonnenschutz, Licht und Elektro-Installation sowie Klima und Heizung. Bereits in der Vergangenheit wurden in diesen Gebieten schon gerne elektrisch gesteuerte Komponenten verwendet, die im nächsten Schritt auf Basis zeitlicher Vorprogrammierung automatisiert wurden. Diese Konzepte haben zweifellos einen Nutzen, verfügen aber aus heutiger Sicht nicht über technische Intelligenz im Sinne eines Smart Home. 

Heutzutage ist es möglich sowohl die gesamte Außen-und Innenfassade eines Gebäudes, als auch die Elektroinstallation als feste Bestandteile der Gebäudeautomation zu nutzen. Wo es früher noch um die Automation einzelner Schaltvorgänge bzw. Nischenlösungen ging, steht heute die Sensorik und die intelligente Vernetzung aller Komponenten im Fokus. So hat beispielsweise ein Temperatursensor die Aufgabe, dem Gebäude bei Kälte die fehlende Wärme zuzuführen. Zum Beispiel durch die intelligente Steuerung von Heizung, Sonnenschutz und Fenstern. Eine ähnliche Rolle spielt die Sensorik auch in den Bereichen Wohnkomfort oder Sicherheit, wenn es um die Nutzung individuell konfigurierbarer Lichtszenarien oder den Einbruchs- oder Feuerschutz geht. 

Auch wenn diese technischen Möglichkeiten der intelligenten Gebäudetechnik den potentiellen Kunden noch nicht in vollem Umfang bekannt sind: Der Komfort einzelner Smart Home-Applikationen hat längst Einzug in den Massenmarkt gehalten und begeistert Endanwender. Die gesamte Funktionstiefe vieler Smart Home-Systeme lässt sich allerdings nur dann in der Realität abbilden, wenn ein Gebäude über die notwendige technische Infrastruktur verfügt. Elektrische Rollladen-Jalousien oder Heizungssteuerung sind eine gute Ausgangsbasis für die Umsetzung sinnvoller Smart Home-Anwendungen. Nur unter solchen Voraussetzungen ist es grundsätzlich möglich, dass sich Smart Home-Lösungen im Wege des viel propagierten Plug’n Play realisieren lassen. 

Die Komplexität eines umfassenden Smart Home-Systems verdeutlicht auch, dass es für den durchschnittlichen Endverbraucher kaum möglich ist, sein Haus vollständig nach dem Do-it-youself Prinzip in ein Smart Home zu verwandeln. Auch nicht mit Systemen der bekannten Werberiesen. Im Vorfeld einer Kaufentscheidung ist daher die qualifizierte Beratung durch einen Fachbetrieb für Elektrotechnik unverzichtbar.  

Noch kein Abonnent?

Abonnieren: Als 'markt intern'-Leser haben Sie Zugriff auf zahlreiche exklusive Inhalte und Service-Leistungen. Informieren Sie sich hier!

Schon Abonnent und bereits registriert?

Login: Sie sind schon Abonnent und registriert? Loggen Sie sich hier ein und lesen Sie Ihre Ausgabe und alle Beilagen online.



Die Auszeichnung  für Fachhändler, Meisterbetriebe und andere mittelständische ‪‎Unternehmer‬:
1a-auszeichnung.de