Ralf Kern im Interview:

"Für Smart Home ist das Fachhandwerk unverzichtbar"


von: Oliver Blumberg | Quelle: Elektro-Installation | Eingestellt am: 09.03.2016

In einem umfassenden Redaktionsgespräch mit Ralf Kern, Geschäftsführer des mittelständischen Herstellers Rademacher, haben wir u.a. die Rolle des installierenden Fachhandwerks genauer beleuchtet, technologische Irrtümer aufgezeigt und Vorurteile entlarvt. Kurz, knapp, kompetent und weitestgehend herstellerunabhängig. Denn Smart Home ist ein ganzheitliches Thema. Hersteller-, zielgruppen-, und branchenübergreifend – aber am installierenden Fachhandwerk führt bei Smart Home kein Weg vorbei!

markt intern: Was hat das installierende Fachhandwerk davon, wenn es eine Smart Home-Lösung anbietet […] ?

Anwendungsbeispiel Rademacher GeoPilot | © Rademacher

R. Kern: […] Das Fachhandwerk ist für Rademacher ein ganz wichtiger Faktor, weil sich dem Endanwender die Funktionsvielfalt vom HomePilot-System nur dann erschließt, wenn der HomePilot als Steuerungseinheit auf Sensoren und Aktoren zugreifen kann. Und für die Beratung, Planung und Installation der entsprechenden Aktoren und Sensoren ist das elektrotechnische Fachhandwerk unverzichtbar. Zum einen wegen seiner umfassenden technischen Kompetenz. Zum anderen aber auch aus rechtlichen Gründen. Ein Großteil der Aktoren und Sensoren sind technologisch betrachtet direkter Bestandteil der gesamten elektrischen Anlage eines Gebäudes, da sie direkt mit dem 230 V-Netz verbunden sind. Der Zugriff auf eine elektrische Anlage ist nur solchen Personen gestattet, die ihre Eignung durch einen offiziell anerkannten Qualifikationsnachweis belegen können – und zwar aus guten Gründen. Es ist die ureigenste Aufgabe des elektrotechnischen Fachhandwerks, die technologische Infrastruktur dafür zu schaffen, dass elektrische Geräte zuverlässig und sicher ihren Dienst verrichten können. Und die Steuerungseinheit einer Gebäudeautomation ist im Grunde nichts anderes als ein elektrisches Gerät zur intelligenten Nutzung von Sensoren und Aktoren.

markt intern: Aber die Einrichtung einer Steuerungseinheit ist ja wohl deutlich komplexer als der Gebrauch eines Bügeleisens. Kann man das denn wirklich miteinander vergleichen?

R. Kern: Dass man das von Ihnen genannte Bügeleisen nicht 1:1 mit einer Steuerungseinheit vergleichen kann, liegt auf der Hand. Für beide Geräte gilt aber gleichermaßen: Für ihre Inbetriebnahme ist eine technologische Infrastruktur erforderlich, die im Vorfeld von einer Fachkraft zu errichten ist. Nur wenn die Infrastruktur vorhanden ist, können die Geräte arbeiten. […] Im Idealfall greift der Kunde dabei auf den Elektriker zurück, der im Vorfeld für die Errichtung von Sensorik und Aktorik zuständig war und die sicherheitstechnische Verantwortung für die zuvor errichtete elektrotechnische Infrastruktur übernommen hat. Denn dieser Mensch kennt sich mit den individuellen Möglichkeiten der von ihm installierten oder gewarteten elektrischen Anlage zwangsläufig am besten aus. […]

markt intern: Bisher konnte sich die Hausautomation bei vielen Kundengruppen noch nicht so durchsetzen, wie manch einer es sich wünschen würde. Wo liegen die Gründe?

R. Kern: Wer sich heute auf einschlägigen Fach- oder Endverbrauchermessen umsieht, der findet unzählige Konzepte zum Thema Smart Home. Dieser Begriff ist nicht geschützt. Er wird inflationär verwendet. Für den Endkunden ist es in Anbetracht der Vielzahl der Angebote extrem schwierig zu erkennen, welches System für seine individuellen Anforderungen eine gute Lösung ist. Was ist im Vergleich dazu eine schlechte Lösung? Was ist eine Nischenlösung? Welches Konzept geht weit über die Anforderungen des Kunden hinaus? – Auf all diese Fragen findet der Endverbraucher nicht immer zufriedenstellende Antworten. Das Ergebnis ist, dass ein Teil der Interessenten dann doch lieber Abstand von der Idee eines Smart Home nimmt. Ein anderer Teil entscheidet sich dann zunächst für Konzepte, die im Grunde nur eine Scheinlösung sind. Zum Beispiel, weil die Funktionstiefe und/oder die Bedienbarkeit viele Wünsche offen lassen. Das wird dem Kunden aber erst klar, wenn er die Systeme in Betrieb genommen hat. Und dann ist es im Grunde zu spät.

markt intern: Wie lässt sich so etwas verhindern ?

R. Kern: Indem der Kunde sich von einem qualifizierten Experten endkundengerecht beraten lässt, der sich mit verschiedenen Automationssystemen auskennt. Am Ende einer Beratung kann der Endanwender dann selbst entscheiden, welche Lösung seinen individuellen Bedürfnissen entspricht. Hier ist es Aufgabe des Beraters, gemeinsam mit seinem Kunden jene Funktionalitäten zu ermitteln, für die sich der Anwender begeistern kann. Hier ist es stets hilfreich, wenn der Endanwender im Vorfeld eine Möglichkeit hat, sich von dem Fachmann seines Vertrauens einzelne Funktionen vorführen zu lassen. Durch eigenes Erleben lässt sich der Nutzen einer Anwendung besser erfahren als durch viele Worte. Für langwierige Erklärungen ist das Thema Gebäudeautomation viel zu abstrakt. Das lässt sich schwer vermitteln. Hier tragen wir als Unternehmen und un¬sere Kunden aus dem Fachhandwerk – insbesondere die von uns ausgebildeten HomePilot-Fachmänner – eine hohe Verantwortung der wir uns gerne stellen und welche wir als Chance sehen.

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